Traumanetzwerk im Nordirak
Mehr als zwei Millionen Iraker sind in den vergangenen Jahren vor andauernden Menschenrechtsverletzungen im Süd- und Zentralirak geflohen; rund 700.000 Menschen suchten Zuflucht in den vergleichsweise sicheren Nordprovinzen des Landes.
Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Europäischen Union hat das bzfo im Jahr 2009 zwei weitere Behandlungszentren für traumatisierte Gewaltopfer in den nordirakischen Metropolen Erbil und Sulaimaniyah gegründet.
Das Sulaimaniyah Center wurde im April 2009 gegründet, das Erbil Center nahm seine Arbeit im November 2009 auf. Beide Einrichtungen beschäftigen derzeit je 13 Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten und Verwaltungsmitarbeiter. Jährlich sollen rund 600 Opfer von Menschenrechtsverletzungen erreicht werden. Für beide Zentren sind Abteilungen für traumatisierte Kinder sowie für Frauen geplant, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind.
Die Städte Sulaimaniyah und Erbil liegen in der Autonomen Region Kurdistan. Das seit 1991 von der kurdischen Bevölkerungsmehrheit selbstverwaltete Gebiet umfasst den nördlichen Teil des Irak. Aufgrund einer sehr entspannten Sicherheitssituation ist die Region geprägt durch ein weitgehend demokratisches Miteinander und ökonomischen Aufbruch. So gilt die Stadt Sulaimaniyah als modernste und offenste Stadt des Irak. Dennoch bleibt insbesondere die Stärkung der Rechte von Frauen und Kindern eine der Hauptaufgaben in der Region.
Kinderrechtsschutz im Irak
Während der Herrschaft der irakischen Baath-Regimes wurden zahlreiche Minderjährige gemeinsam mit ihren Eltern inhaftiert und misshandelt oder gezwungen, die Folterung ihrer politisch verfolgten Angehörigen mitzuerleben. Auch seit dem Sturz der Saddam-Diktatur sind Kinder und Jugendliche im Irak Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden: durch gezielte Entführungen, willkürliche Kriegshandlungen und Terroranschläge.
Auch Kinder, die nicht direkt von Folter und Terror betroffen sind, leiden unter den Folgen einer Gewaltkultur. Kollektive Traumata zerstören Familienstrukturen, entladen sich in häuslicher Gewalt und bilden den Keim für künftige Konflikte.
Kinder haben das Recht auf Schutz vor Gewaltanwendung, das Recht auf gewaltfreie Erziehung -- und das Recht auf Rehabilitation, wenn sie Opfer von Missbrauch, Folter oder bewaffneten Konflikten geworden sind. Um diesen Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention zur Durchsetzung zur verhelfen, baut das bzfo seit 2009 im Nordirak ein Netzwerk von Behandlungsabteilungen für traumatisierte Kinder und Jugendliche auf. Das Angebot umfasst
- medizinische und psychologische Rehabilitation von traumatisierten Kindern
- Beratung für Eltern und Familienangehörige
- Jugendcamps für besonders bedürftige Minderjährige sowie
- aufsuchende Arbeit in Waisenheimen und Jugendgefängnissen
Das Projekt wird unterstützt vom Auswärtigen Amt und dem US State Department (Bureau of Democracy, Human Rights and Labor).
Kontakt
Salah Ahmad
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Friederike Regel
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Michael Lehmann
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.